Hüttenwanderungen in Norwegen :)
Heute gibt es den vierten Blogbeitrag. Hier könnt ihr über meine ersten Hüttenwochenenden lesen, die ich hier so erlebt habe. Hüttenwochenenden sind Wanderungen mit Freunden zu kleinen Hütten mitten im Nichts, wo wir meistens 2 Nächte verbringen.
FAMILIENBLOG
2/19/20265 min read


Liebe Familie,
ich melde mich erneut bei euch mit kleinen Blogbeiträgen über meine Zeit in Norwegen. Leider schaffe ich es gar nicht so oft, Einträge zu schreiben, was einfach daran liegt, dass hier so viel passiert und ich nicht so oft Zeit finde, andere Dinge außer Uni und Aktivitäten mit Freunden zu machen (also Freizeitstress im Positiven). Aber jetzt habe ich ein wenig Freizeit und möchte euch hier von den Hüttentouren schreiben, die ich hier so erlebt habe.
Unsere Uni hat ein Netzwerk von Hütten in der gesamten Trondlag-Gegend. Insgesamt sind es circa 20 Hütten, die für 2 Personen bis teilweise 25 Personen ausgelegt sind. Dabei gibt es immer wieder besondere Hütten, wie zum Beispiel Fosenkoia mit einem eigenen Bootshaus und Boot, oder Holmsakoia mit einer Sauna (dazu später mehr). Buchen kann man die Hütten ganz einfach in der Uni, wobei man immer ab Mittwoch, 08:00 Uhr, für das Wochenende 1,5 Wochen später die Hütte reservieren kann. Da die Hütten teilweise so beliebt sind (vor allem die großen Hütten), gibt es regelmäßig ab 06:30 Uhr eine Schlange vor dem Ort, wo man die Reservierung machen kann. Preislich sind die Hütten zu vernachlässigen (pro Person 5 Euro pro Nacht).
Unsere erste Hüttenwanderung ging nach „Telin“ – das ist ein Ort, circa 1,5 Stunden mit dem Auto entfernt, Richtung Süden. Diese Tour habe ich mit meiner deutschen Freundesgruppe gemacht, wobei wir zur Hälfte mit Schneeschuhen unterwegs waren, und die andere Hälfte mit Touren-Ski. Ich selber habe keine Wanderausrüstung hier (bis auf normale Wanderschuhe), sodass ich mir bei Bua alles ausgeliehen habe (Wanderrucksack, Schlafsack, Schneeschuhe). Bua ist ein ehrenamtlicher Verleih, bei dem sich jeder mit einer norwegischen Telefonnummer Sportsachen gratis bis zu 7 Tage am Stück ausleihen kann. Das ist eine supercoole Möglichkeit, um neue Dinge auszuprobieren und auch um solche Wanderwochenenden zu ermöglichen.
Die Wanderung war sehr schön und verlief lange über eine Ebene, die von Bergen umgeben war. Irgendwann haben wir am Horizont dann unsere Hütte am Rand dieser Ebene gesehen: eine kleine, sehr einfache Blockhütte, die sich schön in die Landschaft eingefügt hat. Dort angekommen haben wir nur ganz kurz unsere Taschen abgelegt, bevor es dann direkt weiterging, um auf den Berg hinter der Hütte zu wandern. Die Wanderung dort hoch war sehr schön, und durch die Schneeschuhe war es auch einfach, den Berg geradeaus hochzulaufen.
Als wir von der Wanderung zurückkamen, konnten wir dann einen längeren Blick in die Hütte werfen: ein Ofen, ein Tisch mit zwei Bänken, 6 Betten drinnen und 4 weitere in einem separaten Bereich der Hütte (wir sind zu neunt unterwegs) und ein wenig Küchenmaterialien – das ist so ziemlich alles, was es in der Hütte gab. Aber es war irgendwie direkt sehr gemütlich und wir alle haben angefangen, uns das Abendessen vorzubereiten. Mit der Gruppe haben wir es geschafft, die Hütte gut aufzuheizen und eine schöne Zeit zu verbringen. Abends habe ich mich bereit erklärt, in dem separaten Bereich der Hütte zu schlafen – dort hatte es bestimmt weniger als –5 Grad, was die Nacht nicht zwingend zu der erholsamsten Nacht gemacht hat, die ich je hatte .
Die nächste Hüttenwanderung habe ich mit meiner anderen Freundesgruppe geplant – das ist eine Gruppe aus Italienern, Tschechen, Polen und mit mir nur einem anderen Deutschen. Wir sind zu der Hütte „Iglbu“ gewandert – die ist auch circa 2 Stunden mit dem Bus entfernt, in die selbe Richtung, in der ich die Hüttenwanderung die Woche zuvor gemacht habe. Die Wanderung war auf jeden Fall viel anstrengender (da es konstant bergauf ging), und diesmal waren wir erst im Dunkeln bei der Hütte angekommen – das macht es nicht zwingend leichter, die Hütte zu finden, vor allem wenn zwei Handys unterschiedliche Positionen für die Hütte anzeigen. Nach etwas Suchen konnten wir jedoch etwas Reflektierendes auf dem Hügel sehen, wobei das zum Glück die Reflektion unserer Stirnlampen an den Reflektoren der Hütte war. Die Hütte war sehr ähnlich der am Wochenende zuvor, mit dem einzigen Unterschied, dass wir diesmal alle in der Hütte schlafen konnten. Dass in der Gruppe so viele Italiener sind, hat einen großen Vorteil: Sie wollen immer kochen und besitzen auch die Fähigkeit, aus sehr einfachen Zutaten sehr leckere Gerichte zu zaubern (wobei ich sowieso den Eindruck habe, dass Essen auf der Hütte pauschal besser schmeckt als das exakt gleich Essen zu Hause).
Insgesamt habe ich jetzt 4 Hüttenwanderungen gemacht, wobei vor allem die dritte Wanderung mein Highlight war – dort bin ich gemeinsam mit Andrea und Tomas (ein Italiener und ein Tscheche) am Freitag zu der ersten Hütte gewandert, was eine kleine Zwei-Personen-Hütte war. Diese hatte die Größe von zwei nebeneinandergestellten Dixi-Klos und bestand lediglich aus den Stockbetten, einem kleinen Tisch und dem Ofen. Dort haben wir gemeinsam gekocht und die Olympia-Eröffnungsfeier gemeinsam angeschaut. Am nächsten Tag sind wir von dort zu einer anderen Hütte gewandert, was circa 15 Kilometer Luftlinie in eine Richtung waren. Das Coole daran war, dass es keine richtigen Wege gab und man einfach querfeldein durch die komplett verschneite Landschaft einen Weg gesucht hat. Es war, denke ich, eine meiner anstrengendsten, aber auch schönsten Wanderungen, die ich je gemacht habe: Das Wetter, die beiden Freunde, die Ausblicke und die wirklich unberührte Natur waren eine extrem schöne Gesamtkomposition. Gegen Ende der Wanderung mussten wir über eine kleine Bergkette, wobei der Abstieg so steil war, dass wir die meisten Höhenmeter auf dem Po den Berg heruntergerutscht sind. Unser Ziel war die Hütte "Hognabu" wo wir 4 weitere Freunde getroffen haben, um dort noch eine weitere Nacht zu verbringen.
Diese Hüttenwanderungen sind immer sehr schöne Wochenenden und in meinen Augen wirklich Erfahrungen, die super nah an der Natur sind. Der ganze Prozess, dass man dort nur hinwandern kann, dann Feuer machen muss und mit einfachsten Sachen und auf dem (offenen) Feuer kochen kann. Gleichzeitig ist es immer ein wenig "einfach" da man im Kopf haben muss, dass all die Sachen von jedem genutzt werden und es ohne Gas, Wasser oder Strom auch relativ schwer wird, all diese Dinge richtig sauber zu bekommen … Das habe ich anfangs vergessen zu schreiben: Alle Hütten, die ich bisher besucht habe, sind ohne Strom- und Wasseranbindung, sodass man sich Wasser aus Flüssen, Eis oder Schnee besorgen muss und alles, was Wärme bringt, nur aus dem Ofen kommen kann. Ich liebe die Erfahrungen, die ich hier machen kann, und bin super froh, so viele coole Erinnerungen mit meinen Freunden hier zu sammeln.
Es gibt noch so viel mehr, was man hier schreiben könnte, aber das ist so viel, dass ich denke, dass ich euch das alles einfach ganz in Ruhe erzählen muss, wenn wir uns wiedersehen. Mein nächster Blogeintrag wird über meine Uni vor Ort sein, und dann folgt ein Eintrag über mein Wochenende mit Kathi :).
Ich freue mich sehr, euch alle wiederzusehen und gemeinsam über meine Erfahrungen zu sprechen.
Liebe Grüße
Euer Simi