Erste Tage in Trondheim
Hier beschreibe ich meine ersten 4 richtigen Tage, die ich in Trondheim verbracht habe. Es ist auf jeden Fall schon viel passiert und ich konnte viele nette Kommilitonen kennenlernen. :)
FAMILIENBLOG
1/13/20265 min read


Hallo Familie,
in diesem Eintrag soll es um die ersten Tage in Trondheim, bevor die Uni startet, gehen. Nach meiner turbulenten Anreise habe ich mich sehr auf die Wanderung am Donnerstagmorgen gefreut. Um 10 Uhr ging es mit dem Bus los in die Bymarka. Das sind die Berge rund um Trondheim, wo es viele Seen, Langlaufloipen und Wanderwege gibt. Im Bus dahin habe ich bereits Andrea, einen Italiener, kennengelernt, der sehr lieb ist. Die Wandergruppe war tatsächlich sehr groß, ich glaube, es waren circa 80 bis 90 Leute. Das ist natürlich sehr anstrengend, mit so einer großen Gruppe zu wandern, bietet aber auch gute Möglichkeiten, Leute kennenzulernen.
Die Wanderung ging durch schöne, verschneite Landschaften, wobei der Schnee teilweise bestimmt 50 cm tief war. Ich habe hierbei schon viele Leute kennengelernt, was auf jeden Fall ein gutes Gefühl gab! Sehr auffällig ist, dass jeder dritte Austauschstudent (wir sind 600 Austauschstudenten) Deutsch ist. Dadurch entstehen viele unangenehme Momente, in denen man auf Englisch redet, bis man realisiert, dass jeder im Umfeld Deutsch ist…
Nach der Wanderung bin ich erstmal nach Hause gegangen und habe mir ein paar Grundlebensmittel gekauft. Das Einkaufen hier ist sehr teuer. Gefühlt ist alles circa doppelt so teuer im Vergleich zu Deutschland. Vor allem frische Lebensmittel sind dabei am teuersten.
Eine App, die hier sehr populär ist (hier gibt es für wirklich alles eine App), heißt Aurora. Hier gibt es Vorhersagen über die Wahrscheinlichkeit, dass Polarlichter auftreten. An dem Abend waren die Polarlichter mit einer Wahrscheinlichkeit von 30 % zu sehen, wobei es aber leider relativ viele Wolken geben soll. Nichtsdestotrotz habe ich mich gemeinsam mit 3 weiteren Erasmusstudenten, die ich bei der Wanderung kennengelernt habe, dazu entschieden, mit dem Auto eine halbe Stunde aus der Stadt rauszufahren, in der Hoffnung, Polarlichter sehen zu können. Wir sind vom Auto auf eine Wiese gelaufen, wobei wir zwischendrin mehr als knietief im Schnee standen. Trotz dieser Bemühungen waren wir leider erfolglos, sodass wir uns entschieden haben, zurück in die Stadt zu fahren.
Am nächsten Tag musste ich morgens den Mietwagen zurück nach Oppdal bringen. Dafür bin ich gegen 10:00 Uhr losgefahren, sodass ich ganz entspannt einen Zug (es fahren nur 5 Züge am Tag) um 13:00 Uhr nehmen kann. Nachdem ich das Auto zurückgegeben hatte, war ich noch circa 20 Minuten am Bahnhof, wobei mir in dieser Zeit etwas Seltsames passiert ist. Ein Mechaniker kam rein und hat mich angesprochen, ob es möglich sei, ein Metallteil für ihn nach Trondheim zu bringen, wobei er mir im Gegenzug den Zug bezahlen würde. Den Deal habe ich angenommen und mich dann die ganze Zeit gefragt, was ich da transportiere. Der Zug nach Trondheim war auf die Minute genau pünktlich und die Landschaft auf dem Weg war sehr schön anzuschauen.
In Trondheim hat dann ein Mann das Metallteil entgegengenommen und mir auch erklärt, wofür es war: Es war eine Verbindung für Kameras und Sensoren auf einem autonomen Hochseeboot. Irgendwie cool, dass ich das Teil transportieren durfte. Ich bin dann noch kurz nach Hause gegangen und dann schon relativ schnell wieder los, um ein paar Leute vor der „Erasmusparty“ zu treffen. Dabei habe ich ein paar Leute aus München kennengelernt, die alle sehr nett waren und mit denen ich mich auf Anhieb gut verstanden habe. An dem Abend haben wir uns dazu entschlossen, am nächsten Wochenende eine Hüttenwanderung zu machen. Die Party an sich war dann gar nicht so gut, aber es war dennoch auf jeden Fall ein schöner Abend.
Am nächsten Morgen bin ich um kurz vor 10:00 Uhr aufgewacht und dann zum „Restore“ gefahren. Das ist eine Initiative der Uni, bei der Möbel und Einrichtungsdinge von vorangegangenen Erasmusstudenten gratis weitergegeben werden. Dort habe ich mir ein paar Küchenutensilien besorgen können. Danach war ich nur kurz zu Hause und bin dann mit ein paar Leuten, die ich noch nicht kannte, in der Stadt shoppen und Kaffee trinken gegangen. Das Café, in das wir wollten, war leider voll, sodass wir alternativ in die benachbarte Bar „Antikvariatet“ gingen. Das ist eine gemütliche Bar, in der sich viele Musiker aufhalten und es am Wochenende Livemusik und Open-Stage-Events gibt. Dort kamen noch ein paar mehr Erasmusstudenten hinzu, mit denen wir dann in eine weitere Bar gegangen sind, in der es Backwaren (Zimtschnecken und Co.) und Bier gibt. Eine für mich neue, aber wirklich coole Kombi!
Wir haben viel miteinander geredet, bis es auf einmal hieß, dass es draußen Polarlichter gibt. Wir sind also direkt raus und tatsächlich waren sie über der Stadt leicht erkennbar. Nicht richtig grün, sondern eher gräulich, aber trotzdem total cool. Als ich dann mit den anderen heim bin, habe ich nochmal die Polarlicht-App geprüft und gesehen, dass es am Abend noch viel mehr Polarlichter geben soll. Um die zu sehen, habe ich dann ein paar Leute, die ich hier kennengelernt habe, angeschrieben und zwei gefunden, die Lust hatten, circa 25 Minuten an den Strand zu fahren, der etwas nördlich von der Stadt liegt. Dafür habe ich mich sehr warm (2 lange Unterhosen, 4 Lagen oben) eingepackt und bin dann mit der Kamera im Gepäck. Als wir aus dem Bus ausgestiegen sind, konnten wir leicht Polarlichter sehen, die aber immer noch mehr wie graue Wolken aussahen. Da die Vorhersage gesagt hat, dass es noch stärker wird, sind wir in der Kälte geblieben und haben gewartet.
Und das Warten wurde belohnt. Die Polarlichter waren super stark und mit dem bloßen Auge komplett erkennbar. Es sieht einfach nicht real aus und ist deshalb so besonders zu beobachten. Die Polarlichter sind sehr dynamisch und bewegen sich teilweise sehr schnell am Himmel. Zwischendurch waren die Polarlichter sogar grün mit roten Rändern, was wohl nicht so häufig zu sehen ist. Gemeinsam mit Fabian (ihn habe ich hier kennengelernt) habe ich auch versucht, mit der Kamera von Papa Aufnahmen zu machen. Circa eine Stunde oder ein wenig länger waren wir da, bis die Hände zu kalt wurden. Zum Glück werden die Hände hier aber auch schnell wieder warm in den Handschuhen (ich glaube, man gewöhnt sich langsam an die Kälte). Mit coolen Fotos und tollen Erinnerungen sind wir zurück nach Trondheim gefahren, wo es dann nach einer warmen Dusche ins Bettchen ging.
Als letztes Event, bevor die Uni startet, stand am Sonntag Skifahren auf dem Vassjefellet an. Das ist ein kleiner Berg ganz in der Nähe (40 Minuten mit den Öffis), wo es ein paar Abfahrten gibt. Hier bin ich gemeinsam mit Fabian hingefahren und wir sind morgens die ersten Abfahrten miteinander gefahren. Um 11:00 Uhr haben wir dann die NTNU Ski & Fjellsport-Gruppe getroffen, eine Gruppe, die Ski- und Bergevents organisiert. Die Gruppe hatte an der Piste ein Zelt aufgebaut, wo man seine Taschen lassen konnte und sich für das Mittagessen um 12:30 Uhr in den Schnee setzen konnte. Es war sehr schön, hier neue Leute kennenzulernen, mit denen wir dann auch die ein oder andere Abfahrt gefahren sind. Es war zwar −14 Grad kalt, was sich aber gar nicht so kalt anfühlte, sodass man den ganzen Skitag genießen konnte.
Nach dem Mittag haben wir uns noch Ski ausgeliehen, da es an dem Tag den „Rentalday“ gab. Das ist ein Event, bei dem quasi alle Skifirmen ihre Ski gratis zum Testen angeboten haben. Wir haben Ski für abseits der Piste gemietet und sind damit ein wenig im Wald zwischen den Pisten gefahren, was super viel Spaß machte, aber gleichzeitig auch super anstrengend war.
Wir sind bis in die Dunkelheit (16:00 Uhr) Skigefahren und dann am Abend mit dem Bus nach Hause gefahren. Leider sind wir in einen Bus nicht reingekommen, da dieser zu voll war, weshalb wir dann 1 h auf den nächsten Bus warten mussten – bei –9 Grad war das dann doch ziemlich kalt.
Insgesamt waren alle Events sehr schön und ich bin sehr glücklich, dass ich viele nette Leute kennengelernt habe. Morgen ist dann der erste Uni-Tag, worauf ich sehr aufgeregt bin. Wie die gesamte erste Uniwoche verlief, werde ich Ende der Woche in einem Blog berichten!